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10. März 2025

Krankenstand im Job: Zwischen Pflichtbewusstsein und Blaumachen

Der Krankenstand in Unternehmen ist ein vielschichtiges Thema, das zwei gegensätzliche Extreme aufweist: Zum einen gibt es Mitarbeitende, die trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen, weil sie sich stark mit ihrem Unternehmen verbunden fühlen und ihre eigene Gesundheit hintenanstellen. Zum anderen gibt es Menschen, die sich hin und wieder krankmelden, obwohl sie gesundheitlich arbeitsfähig wären – sei es aus Erschöpfung, mangelnder Motivation oder aus anderen persönlichen Gründen.


In Österreich sind die Krankenstände in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen, mit 2023 als dem höchsten Wert seit 30 Jahren. Laut aktuellen Zahlen lag die durchschnittliche Anzahl an Krankenstandstagen pro erwerbstätiger Person im Jahr 2023 bei 15,4 Tagen, die durchschnittliche Dauer eines Krankenstandes betrug 9,3 Tage. Besonders auffällig: Zwei Fünftel aller Krankenstände im Jahr 2023 waren auf Atemwegserkrankungen zurückzuführen. Diese Entwicklung ist nicht nur ein Resultat individueller Faktoren, sondern auch ein Spiegelbild der turbulenten Zeiten, in denen wir leben.


Die letzten Jahre waren von globalen Krisen, wirtschaftlichen Unsicherheiten und gesellschaftlichen Umwälzungen geprägt – Ereignisse, die sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit der Menschen stark beanspruchen. Gerade in solchen herausfordernden Zeiten ist es besonders wichtig, das Thema Krankenstand aus einer ganzheitlichen Perspektive zu betrachten, da sich psychische und körperliche Gesundheit eng miteinander verknüpfen und wechselseitig beeinflussen.


Warum gehen manche trotz Krankheit zur Arbeit?


Viele Arbeitnehmer*innen haben ein hohes Pflichtbewusstsein und empfinden es als ihre Verantwortung, auch dann zur Arbeit zu erscheinen, wenn sie sich krank fühlen. Die Gründe dafür sind vielfältig:


  • Angst vor negativen Konsequenzen: In manchen Unternehmen herrscht ein unausgesprochenes Misstrauen gegenüber Krankmeldungen, sodass sich Mitarbeitende verpflichtet fühlen, auch in angeschlagenem Zustand zu erscheinen.
  • Loyalität zum Team: Wer das Gefühl hat, dass die eigene Abwesenheit Kolleg*innen zusätzlich belastet, bleibt oft trotz Krankheit im Büro.
  • Leistungsdruck: In leistungsorientierten Branchen oder bei hoher Arbeitsbelastung sehen sich viele Mitarbeitende gezwungen, trotz gesundheitlicher Einschränkungen zu arbeiten.
  • Fehlendes Verständnis für die eigene Gesundheit: Manche unterschätzen, wie sehr eine Krankheit die eigene Leistungsfähigkeit beeinträchtigt und wie wichtig Erholung für die Genesung ist.


Das Problem: Wer krank arbeitet, gefährdet nicht nur die eigene Gesundheit, sondern auch die der Kolleg*innen – insbesondere bei ansteckenden Krankheiten.


Warum melden sich manche häufiger krank als nötig?


Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die sich gelegentlich eine Auszeit nehmen, obwohl sie eigentlich arbeitsfähig wären. Auch hierfür gibt es verschiedene Gründe:


  • Hohe Belastung und Stress: Wenn sich Mitarbeitende erschöpft fühlen und keine andere Möglichkeit der Regeneration sehen, nutzen sie eine Krankmeldung als kurzfristige Lösung. Gerade in den letzten Jahren, in denen der Stresspegel aufgrund externer Krisen und interner Anforderungen deutlich gestiegen ist, ist dies eine häufige Ursache für krankheitsbedingte Fehltage.


  • Fehlende Motivation oder Unzufriedenheit im Job: Wer sich nicht wertgeschätzt fühlt oder die Arbeit als frustrierend empfindet, neigt eher dazu, sich krankzumelden.


  • Individuelle Haltung zur Arbeit: Manche Menschen legen mehr Wert auf ihre Work-Life-Balance und empfinden den Job nicht als zentrale Verpflichtung.


  • Mangelnde Struktur oder Unterstützung: In Unternehmen, in denen Mitarbeiter*innen viel Vertrauen entgegengebracht wird und weniger klare Richtlinien existieren, kann es vorkommen, dass Krankmeldungen weniger durchdacht oder aus Ermangelung an Unterstützung häufiger in Anspruch genommen werden. Es geht nicht um Kontrolle, sondern darum, den Mitarbeitenden ausreichend Orientierung und Unterstützung zu bieten, um verantwortungsbewusst mit ihren Ressourcen umzugehen.


Gerade in einer Zeit, die für viele von Unsicherheit und psychischer Belastung geprägt ist, ist es besonders wichtig, dass Unternehmen die zugrundeliegenden Ursachen für häufige Krankmeldungen erkennen und angehen. Stress, psychische Erschöpfung oder mangelnde Motivation sind oft Symptom eines tieferliegenden Problems, das nicht nur die körperliche, sondern auch die mentale Gesundheit betrifft.


Die enge Verbindung zwischen körperlicher und psychischer Gesundheit


Stress und mentale Belastungen sind keineswegs isolierte Phänomene. Sie wirken sich direkt auf die körperliche Gesundheit aus und können zu einer Vielzahl von Beschwerden führen, von Schlafstörungen bis hin zu Magenprobleme.


Wer unter ständiger Belastung steht oder keine Möglichkeit zur mentalen Erholung findet, ist anfälliger für körperliche Erkrankungen. Daher ist es unerlässlich, nicht nur gesunde Ernährung und Bewegung zu fördern, sondern auch die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden zu unterstützen. Stress darf keinesfalls unterschätzt werden – er ist ein schleichender Faktor, der über kurz oder lang zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen kann.


Was können Unternehmen tun?


Ein ausgewogenes Gesundheitsmanagement ist entscheidend, um beide Extreme – sowohl das Übertreiben von Pflichtbewusstsein als auch das häufige Krankmelden aus anderen Gründen – zu minimieren. Führungskräfte, HR-Abteilungen und Unternehmen sollten folgende Maßnahmen in Betracht ziehen:


  1. Kultur der Gesundheit fördern: Unternehmen sollten betonen, dass es in Ordnung ist, sich bei Krankheit richtig auszukurieren, und dabei auch mentale Gesundheit einbeziehen. Flexible Homeoffice-Regelungen und Rücksichtnahme auf psychische Belastungen können helfen, Mitarbeitende zu entlasten, ohne dass sie sich krank zur Arbeit schleppen müssen.

  2. Vertrauen und Transparenz schaffen: Eine offene Kommunikation über Krankmeldungen, ohne ständigen Druck oder Nachfragen zur Rückkehr, trägt zu einem gesunden Arbeitsklima bei. Wenn Mitarbeitende wissen, dass ihre Gesundheit respektiert wird, ohne dass der Chef ständig nachhakt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass sie trotz Krankheit zur Arbeit erscheinen.

  3. Führungskräfte schulen: Vorgesetzte sollten sensibilisiert werden, sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden zu erkennen und zu fördern, ohne dabei Druck auszuüben.

  4. Arbeitszufriedenheit steigern: Wer sich im Unternehmen wohlfühlt und Wertschätzung erfährt, meldet sich seltener grundlos krank. Regelmäßige Feedbackgespräche und die Förderung einer positiven Unternehmenskultur können hier Abhilfe schaffen.

  5. Stressprävention und Work-Life-Balance unterstützen: Unternehmen sollten aktiv Stressprävention betreiben, etwa durch gesundheitsfördernde Angebote, stressfreie Auszeiten oder durch die Bereitstellung psychologischer Unterstützung.

  6. Mentale Gesundheit fördern: Der Fokus sollte nicht nur auf körperlicher Gesundheit liegen. Achtsamkeit, Meditation und mentaler Ausgleich gehören genauso zur Prävention wie gesunde Ernährung oder Sport.


Fazit


Der Umgang mit Krankmeldungen ist eine Herausforderung, die Unternehmen mit Fingerspitzengefühl angehen sollten. Weder sollte von Mitarbeitenden erwartet werden, dass sie krank arbeiten, noch sollten sich Fehltage häufen, weil Mitarbeitende keine andere Möglichkeit sehen, sich zu entlasten. Mit der richtigen Kultur, dem Fokus auf mentale Gesundheit und gezielten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung lässt sich eine ausgewogene Lösung finden, die sowohl die körperliche als auch die psychische Gesundheit der Mitarbeitenden schützt und die Produktivität im Unternehmen steigert. Denn ein gesundes Team ist letztlich auch ein produktives Team.


Wie Aumaier Coaching beim Gesundheitsmanagement von Führungskräften unterstützen kann


Es bringt wenig, wenn Ihre Mitarbeitenden gesund sind, während Sie selbst als Führungskraft ausgebrannt oder krank sind. Aumaier Coaching hilft Führungskräften, aktiv Gesundheitsmanagement zu betreiben, indem wir gemeinsam individuelle, gesundheitsfördernde Maßnahmen entwickeln und im Alltag umsetzen. Weitere Informationen zu unseren Angeboten finden Sie auf unserer Website: https://www.aumaier-coaching.com/gesundheitsmanagement

 


Quellen:

https://www.statistik.at/statistiken/arbeitsmarkt/arbeit-und-gesundheit/krankenstaende

https://www.sozialversicherung.at/cdscontent/?contentid=10007.899128&portal=svportal

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